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Freies Wort vom 26.3.2012 Die erste „kleine“ Sensation im Playoff-Viertelfinale ist perfekt. In einem denkwürdigen Spiel siegt der VfB Suhl gegen den amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger Schweriner SC im Hinspiel 3:2.
Von Claudia Fehse Suhl – 20:25, 25:23, 28:26, 23:25, 24:22. 140 Minuten Spielzeit. Der Tiebreak fast wie ein richtiger Satz. Spannung pur, Dramatik kaum zum Aushalten. Damit hatte wohl keiner gerechnet. Keiner? Doch, einer hatte vor dem Spiel auf einen 3:2-Sieg des VfB Suhl gegen den amtierenden Meister Schweriner SC getippt. Es war Olaf Garbe, der Scout des VfB, und er hatte für diese positive Ahnung auch einen gewichtigen Grund: „Im Ligaspiel am Dienstag haben wir fast durchgehend nur mit 50 Prozent gespielt und waren trotzdem in zwei Sätzen fast an Schwerin dran“, sagte er und fügte hinzu: „Ich habe selten ein gutes Gefühl, aber heute habe ich ein richtig gutes Gefühl.“ Dieses gute Gefühl sollte ihn nicht täuschen. Ähnlich wie im Bundesliga-Hinspiel im Dezember wuchs der VfB Suhl über sich hinaus und musste diesmal, anders als damals, gar nicht erst mit 0:2 Sätzen zurück liegen. Auch diesmal führte Schwerin zwar mit 1:0 Sätzen. Aber diesmal ließen sich die Suhlerinnen überhaupt nicht aus der Ruhe bringen – auch nicht von den wuchtig geschlagenen Bällen von Schwerins Patricia Thormann, die von Suhls Trainer Felix Koslowski auch zur wertvollsten Schwerinerin gewählt wurde. Auf der Seite von Suhl war es ebenfalls die Nummer 7, Martina Utla nämlich. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, wo an diesem Tag die Schweriner Schwäche lag: beim Aufschlag. Suhl machte in diesem Spielelement zwar auch Fehler, aber eben nicht so viele. Genau damit haderte SSC-Trainer Teun Buijs: „In den entscheidenden Situationen machen wir solche einfachen Fehler“ und fügte hinzu: „Aber so eng liegen eben Freud’ und Leid beieinander.“ Auf der anderen Seite raufte sich Felix Koslowski die Haare. „Wir hatten so viele Matchbälle, ich weiß gar nicht mehr, wie viele. Aber das ist ja jetzt egal. Ich mache meinen Mädels ein Riesenkompliment, sie haben eine echte Energieleistung vollbracht. Das Spiel war wirklich schwer und vor allem mental anstrengend“, sprudelte es aus ihm heraus. Mental anstrengend war es in der Tat. Suhl nutzte im Tiebreak erst seinen neunten Matchball und musste vorher sogar noch einen von Schwerin abwehren. Aber, zum „Glück“ für Suhl, machten die Schwerinerinnen, genauer gesagt Julia Retzlaff und Berit Kauffeldt, die bereits angesprochenen Aufschlagfehler, und so wurde dieser fünfte Satz, der ja eigentlich nur bis 15 Punkte geht, fast zu einem weiteren Durchgang. Aber ein Block von Christina Speer und Vendula Merkova setzte dem nervenaufreibenden Finale dieses Spiels ein Ende. Im ersten Satz hatten die Gäste das Zepter klar in der Hand. Aber ab dem zweiten Satz offenbarten sie eine weitere kleine Schwäche, denn sie kamen mit dem Suhler Aufschlag immer weniger zurecht. Der fünfte Suhler Satzball saß schließlich. Und auch der dritte Satz ging an den VfB – auch weil Schwerin nicht mehr mit voller Wucht an die Bälle haute. Doch auch die finale Phase dieses Satzes sollte denkwürdig werden. Denn diesmal war es sogar erst der sechste Suhler Satzball, der sein Ziel fand, die Schweriner Annahme war direkt ins Netz geflogen. Nachdem auch Suhl einen Aufschlagfehler fabrizierte, stand es 2:2 nach Sätzen, der Tiebreak musste die Entscheidung bringen. Der war dann an Spannung wirklich nicht mehr zu überbieten. Zunächst führten die Gäste mit 7:5, beim 8:8 aber war der VfB wieder dran. Dann ging’s hin und her, 10:10, 11:11. Doch das war noch lange nicht alles. Kaum jemand in der Halle wollte oder konnte noch hinschauen. Bemerkenswert war dann aber, dass sich Suhl bis auf eine Ausnahme alle seine Matchbälle selbst erspielte und nur einmal Schützenhilfe vom Gegner bekam. Der Rest ging im Lärm unter. Während sich die Suhlerinnen jubelnd in den Armen lagen, schauten die Schwerinerinnen etwas bedröppelt drein. „Aber wir haben ja noch eine Chance im Rückspiel“, sagte Patricia Thormann. Das steigt am Mittwoch kommender Woche um 19 Uhr. Suhl: Startformation: Pucarevic, Kalinovskaja, Utla, Isailovic, Steger, Merkova; Cebic (Libero); eingewechselt: Jacobj, Dijkema, Speer, Kovacic Schwerin: Startformation: Topic, Thormann, Hanke, Buijs, Brandt; Thomsen (Libero); eingewechselt: Haugen Aas, Retzlaff, Hakuta Zuschauer: 850
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