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Isabell (3. h.v.l.) und ihr Team mit der Goldmedaille in AustralienKia Ora New Zealand – Hallo und Guten Tag Neuseeland

Unsere Nachwuchsspielerin Isabell Haferung verbrachte 5 Monate am anderen Ende der Welt in Neuseeland. Neben vielen Erfahrungen und Eindrücken brachte sie auch eine Volleyball-Goldmedaille mit nach Hause. Lest selber über ihre tollen Erlebnisse in Down Under.

Alles begann mit einer Idee, einem Traum, einem Zeitfenster. Nach einer Reihe von Unterlagen und Vorbereitungen, verging das Jahr, bevor es losging, wie vom Winde verweht und ich begann zu realisieren, dass ich mich auf eine Reise an das andere Ende der Welt begab. Dort würde ich ein halbes Jahr, mit zu diesem Zeitpunkt mir völlig fremden Menschen verbringen, welche nicht einmal meine Sprache sprechen…

Am 15. Juli 2015 war es dann soweit: „Goodbye Germany“ und 30 Stunden später hieß es „Kia Ora New Zealand“. Die ersten Tage im neuen Land waren noch Ferien. Dies kam mir auch ganz gelegen, weil ich mich weiterhin nach Schlaf sehnte, um dem „Jetlag“ zu entweichen. Doch um mich an die Zeitumstellung zu gewöhnen, standen immer Nachmittagsaktivitäten auf dem Plan, wie beispielsweise der Schuluniformtag, um am ersten Tag der Schule vorbereitet zu sein. Für mich war es eine neue Erfahrung eine Schuluniform zu tragen, die ich aber bald als positiv einschätzte. Es erleichterte mir das Aufstehen, indem es mir die verzweifelten Gedanken über meinen täglichen Kleidungsstil abnahm.

Ich war mir über den Umfang der Unterschiede zwischen Deutschland und Neuseeland nicht so bewusst, als ich meinen Neuseelandaufenthalt plante. Doch ich wurde regelrecht nur positiv überrascht! Die Freundlichkeit und Gelassenheit der „Kiwis“ ist einfach nur überwältigend. In jedem Geschäft wird man gefragt, wie es einem geht und mit Freude schließen sich die anderen Kunden dem inzwischen entstanden Gespräch an. Keiner macht Druck, keiner macht Stress, alle sind glücklich. Das ist Neuseeland! Auch die anderen Unterschiede wie Schule und Linksverkehr, wurden ziemlich schnell und mit wenig Aufwand gelöst. Schon nach wenigen Wochen hatte ich mich problemlos in den neuseeländischen Alltag eingelebt, fühlte mich in meiner neuen Gastfamilie mehr als wohl und schloss neue Freundschaften mit Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Welt.

Die Schule ist wirklich eine tolle Erfahrung gewesen. Hier wird besonders gezeigt, dass Schule auch sehr viel Spaß machen kann und dass man, sobald man Schüler vom Otumoetai College in Tauranga ist, einer brillanten Community angehört, in der sich nicht nur Lehrer, sondern auch Schüler sehr um einen kümmern und sich füreinander interessieren. Das College ist eine der führenden Schulen Neuseelands im Bereich Sport, was durch eine überdimensional große Sportanlage unterstrichen wird. Zwei Rugbyfelder mit Tribünen, vier Tennisfelder, zwei Kletterwände und zwei Dreifelderhallen, um jegliche Sportarten zu testen, sind nur ein Teil vom Ganzen. Und hier ist auch mein Stichwort- der Sport. Ich habe es in das „Senior-B-Team“ im Volleyball geschafft und war stolz jeden Donnerstagabend im dunkelgrünen Trikot der Schule spielen zu dürfen. Als jährlicher Anwärter auf den Sieg der „New Zealand School Championships“ ist der Begriff Volleyball am Otumoetai College nicht unbekannt.  Maßgeschneiderte Trikots aus der schuleigenen Schneiderei, wöchentliche Testspiele sowie viel Arbeit und Enthusiasmus stecken hinter dem Ruhm, welchen die Schule in den letzten Jahren eingefahren hat. Ich freute mich auf jedes einzelne Training, da ich von volleyballbegeisterten Schülerinnen, die auf einem unfassbar hohen Niveau spielten und mich von Anfang an komplett integrierten., umgeben war. Auch wenn ich manchmal Worte an den Kopf geschmissen bekommen habe, die ich nicht verstehen konnte oder nicht verstehen wollte, hieß es für mich in diesem Moment: nicht einfach aufgeben! Für drei Sekunden abschalten, kurz überlegen und weitermachen! Mein Kampfgeist und meine sportliche Leistung hinterließen den gewollten Eindruck beim Trainerstab der Schule, sodass mir nach einigen Wochen Training eine Einladung für den „Australian Volleyball Schools Cup“ überreicht wurde. Zur Erklärung: Da die Schule zu den besten drei neuseeländischen Volleyballschulen gehört, darf sie alle zwei Jahre mit drei Mannschaften (zwei Mädchen- und einer Jungen-) nach Melbourne fliegen und am Finale an deren australischen Schulmeisterschaften teilnehmen. Und für dieses unwahrscheinlich große Turnier wurde ich in den B- Kader nominiert. Man muss sich vorstellen, dass an diesem Turnier insgesamt durch eine Qualifikations- und Endspielphase über 5000 Spielerinnen und Spieler, 491 Teams und 133 Schulen aus ganz Australien teilgenommen haben. In einem Spielzyklus von 5 Tagen wurden die Gewinner der jeweiligen Altersklassen ermittelt. Unser Team hatte die perfekten Vorbereitungen und Trainingsbedingungen in Neuseeland. Wir alle aus der Mannschaft verstanden uns mit der Zeit blind, hatten viel zu lachen und zu erzählen und wuchsen wie eine Einheit zusammen. Der Teamgeist, das Mannschaftsgefühl und die Freundschaften verhalfen uns zu einem fabelhaften Wettkampf, denn wir haben das Turnier in unserer Alterskategorie gewonnen. Gegen ein anderes neuseeländisches Spitzenteam und alle australischen Schulen, die gegen uns angetreten sind, konnten wir uns durchsetzen. Es war ein wahnsinniges Gefühl ganz oben auf dem Podest zu stehen und die Goldmedaille setzte meinem Aufenthalt noch die Krone auf, welcher sich auch langsam dem Ende zuneigte. An dieser Stelle muß ich allerdings auch erwähnen, dass neuseeländische Nachwuchssportlerinnen im Gegensatz zu uns in Deutschland Teilnahmegebühren für Ihre Mitwirkung an solch einem Event bezahlen müssen. Und das in nicht unerheblichen Maße. Mehr als umgerechnet 1.000,- € haben meine Eltern dafür zusätzlich aufgebracht. Weitere neuseeländische Mitschülerinnen, die sogar Nationalkader sind, starteten Sponsorenaufrufe im Internet, um ihre Teilnahmegebühren bezahlen zu können. Auch kam es vor, dass Sportlerinnen zu hause bleiben mussten, da die Eltern dieses Geld nicht aufbringen konnten.  

Zurück nach Neuseeland geflogen, lagen noch die letzen drei Nächte in meiner lieb gewonnen Gastfamilie vor mir, die aber auch wie im Fluge vergingen. Dann hieß es auch schon Abschied nehmen von meinem zweiten Leben, das ich in Neuseeland geführt hatte. Unvergleichlich. Unfassbar schön. Einmalige Erlebnisse, die ich sammeln durfte. Die Freundlichkeit der Kiwis, die sich automatisch übertrug. Die wunderschönen Strände an denen man seine Schulnachmittage verbrachte. Alles hatte ein Ende, als ich in den Flieger stieg und die Heimreise antrat. Irgendwann war ich dann wieder im kalten, flachen,  verregneten  Deutschland angekommen (was mich im Wunsch, sofort nach Neuseeland zurückzufliegen, nur noch bestärkt hat), wo meine Eltern und Geschwister mich abholten. Aber leider mussten sie dort ewig auf mich warten, da ein Teil meines Gepäcks auch noch in Dubai hängen geblieben war und erst fünf Tage später bei uns zu hause eintraf.  Ja, ich muss sagen, ich habe viel in diesem halben Jahr erlebt und ich habe jede Minute meiner Zeit genossen. Vor allem die Natur ist faszinierend. Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben, um sich einen Eindruck machen zu können.

Zurückblickend kann ich sagen, dass es einfach die beste Entscheidung war, nach Neuseeland zu gehen. Nicht nur um englisch zu lernen, sondern auch um ein ganz neues Lebensgefühl, eine neue Lebensweise, Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Insofern gab es nie auch nur annähernd ein Problem. Jeder ist mal irgendwann irgendwo ein Ausländer und Gast. Neuseeland zeigte mir, dass alle Menschen friedlich und freundlich miteinander auskommen können, unabhängig von der Herkunft, Religion oder heimatlichen Lebensart. (IH)